Wahnsinn: Trumps Präsidenschaft aus der Geschichte gelöscht

Ein Menetekel: Twitter löscht Trumps Account

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Soziale Medien löschen Trump.© Quelle: © Foto: Pixabay / geralt

Während Politik und Medien noch über die Rolle des amerikanischen Präsidenten bei den Übergriffen rund um das Capitol streiten, macht die Plattform Twitter Politik, macht Nägel mit Köpfen und löscht den Account von Donald Trump dauerhaft. Löscht ihn für Journalisten, für Historiker, löscht ihn für jedermann, der sich heute oder in Zukunft ein Bild machen will über die 45ste Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika.

Das ist deshalb so erheblich, so skandalös, weil spätestens seit Barack Obama, dem Twitter-Präsidenten Nr.1, diese Plattform insbesondere unter Donald Trump zu so etwas, wie dem offiziellen Kanal des amerikanischen Präsidenten an sein Volk und an die Welt geworden ist. So etwas dauerhaft zu löschen kommt daher dem Versuch gleich, die Trump-Präsidentschaft aus der Geschichte löschen zu wollen, für die Nachwelt ungeschehen zu machen oder genauer: Die zukünftige Lesart dieser Präsidentschaft nachhaltig zu bestimmen. Denn im Gegenzug wurden alle Trump gegenüber in Feindschaft eingestellten Medien und ihre Berichterstattung eben nicht gelöscht, sehr wohl aber eine Reihe weiterer Äußerungen und Accounts, die Trump gegenüber eher wohlgesonnen waren.

Das deutsche Magazin Der Spiegel eröffnet die Nachricht mit der süffisanten Schlagzeile: „Sendeschluss für US-Präsidenten.“ Dabei darf der Spiegel während der bisherigen Amtszeit Trumps als so etwas, wie das Sprachrohr der Opposition gegen Trump von deutschem Boden aus verstanden werden. Kaum ein Magazin hatte von Beginn an mehr gewettert und gehetzt gegen die Politik Trumps.

Was bedeutete Twitter für Trump? Twitter war seine wichtigste Kommunikationsplattform. Hier hatte er sich meistens mehrfach täglich an die Weltöffentlichkeit und damit auch an seine Fans gewandt. Donald Trump @realDonaldTrump bediente fast einhundert Millionen Follower weltweit.

Trump kommentierte die Löschung zunächst folgendermaßen:

„Heute Abend haben sich Twitter-Mitarbeiter mit Demokraten und der radikalen Linken zusammengetan, um mein Konto von ihrer Plattform zu entfernen, um mich und euch 75 Millionen großartiger Patrioten, die mich gewählt haben, zum Schweigen zu bringen.“ Auch dieser Tweet, veröffentlicht über einen Account des weißen Hauses, wurde gelöscht.

So sah sich der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten dazu genötigt, sich an die Presse zu wenden um gehört zu werden und in der Hoffnung, dass die Medien verbreiten, was er zu sagen hat: „Wir werden nicht zum Schweigen gebracht.“

Was aber ganz besonders verwerflich ist: Kritiker werfen Trump vor, seine Anhänger am Mittwoch zum Angriff auf das Kapitol angestiftet zu haben. Das zu überprüfen, bedarf hier elementar die Chronologie des Twitter-Accounts des Präsidenten, der allerdings ist nun gelöscht.

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Und da stellt sich die berechtigte Frage, wer hier eigentlich welche Umsturzpläne schmiedet. Es ist kaum zu fassen und in diesem Zusammenhang muss zwingend drauf hingeweisen werden: Die Demokraten scheuten nicht einmal davor zurück, dem Präsidenten zu unterstellen, er plane möglicherweise einen Atomschlag.

Aber gegen wen? Gegen die Hochburgen der Demokraten in den USA? Es ist so irre, wie unfassbar, dass Accounts, die so etwas verbreiten bei Twitter selbstverständlich nicht gelöscht werden, wo die verheerende Wirkung solcher Übergriffe insbesondere auf die Anhänger und Wähler Trumps eindeutig sein dürften.

Nancy Pelosi, die Vorsitzende des Repräsentantenhauses war federführend in der irren Behauptung, Trump würde nun den roten Knopf im Köfferchen drücken. Dafür versicherte sie sich der Gefolgschaft des US-Generalstabes. Jenes Stabes übrigens, mit dem Trump in seiner bisherigen Amtszeit eigentlich wenig abuzumachen hatte, nein, er war nicht der Präsident der Bomben und der Vernichtungsschläge, nicht der Drohnenfilmfetischist, wie Vorgänger im Amt es waren.

Dem Präsidenten wurden quasi die Stimmenbänder durchgeschnitten. Seine Anhänger auf Twitter jedenfalls empfinden das jetzt so. Nicht zuletzt auch damit wurde eine Seperationsbewegung in Gang gebracht, die zur ernsthaften Gefahr für das Land werden kann. Einige Trump-Anhänger ziehen schon weg aus Staaten, die von Demokraten dominiert werden. Die Amerikaner sind traditionell viel beweglicher, als Menschen beispielsweise in Europa. Ortswechsel sind sogar Teil der DNA vieler US-Bürger.

Ja, auch in Deutschland wird zu Recht von einem Graben quer durch die Gesellschaft gesprochen, aber in den USA ist das noch einmal erheblicher. Dieses Land hat durch seinen Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) zwischen Nord- und Südstaaten ein Trauma erlitten. Und arbeitet seit 150 Jahren daran,dieses Trauma zu bewältigen. An der zweiten Front ist man schon viel länger darum bemüht, den Graben zwischen Schwarz und Weiß zu begradigen.

Was macht Trump? Der Präsident möche jetzt eine eigene Social-Media-Plattform aufbauen. Es würden Verhandlungen geführt, so das Trump-Team, mit bereits bestehenden Plattformen und darüber nachgedacht eine ganz neue aufzubauen. Trump äußerste sich weiter: „Twitter geht es nicht um Redefreiheit. Ihnen geht es nur darum, eine linksradikale Plattform zu fördern, auf der einige der bösartigsten Menschen der Welt frei sprechen dürfen.“ Dabei bezieht sich Trump unter anderem auf weiterbestehende Twitter-Accounts der iranischen Führung.

Jetzt trifft Trump und seine Anhänger diese Löschung nicht ganz unerwartet, schon länger beschäftigt man sich in diesen Kreisen mit Alternativen wie Parler, einer App, die sich nach Selbstbekunden als Ort der freien Meinungsäußerung versteht, technisch wohl am ehesten eine Mischung aus Facebook und Twitter. Das Erstaunliche hier: Wer bisher dachte, es könne keine quantitativ ernstzunehmende Konkurrenz mehr geben für die bestehenden großen Social-Media-Konzere, wo das die Konzerne selbst gedacht haben mögen, könnte jetzt eine entstehen. Wie resistent die Macher von Parler allerdings gegen die Milliarden der Monopolhalter sind, wird die Zukunft zeigen.

Springer Chef Mathias Döpfner schreibt über den „Sturm aufs Kapitol“ von einem Menetekel. Also dem geheimnisvollen Anzeichen eines drohenden Unheils. Der Versuch, die Präsidentschaft Trumps aus den Geschichtsbüchern zu löschen – ganz gleich, was man von ihr persönlich hält – dürfte allerdings das viel größere Menetekel sein.

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