(Eine Kurzfassung am Ende des Artikels)
Eine Geschichte wie ein Shakespeare-Drama als Netflix-Serie. Unsere Helden könnten in ihrer Gesamtheit die deutsche Gefühlslage kaum besser abbilden.
Im Mittelpunkt steht der AfD-Politiker Maximilian Krah, der dandyhafte, von politischen und privaten Affären hin- und hergeworfene Lebemann, das Enfant terrible der AfD, dem es zuverlässig gelingt, die Partei mit Skandalen zu beschäftigen – oder wie man inzwischen intern sagt: die Seinen zu „klostern“ und zu „langhausen“. Und der es trotzdem immer wieder schafft, irgendwie wohlgelitten im Mittelpunkt des Gesamtauftritts seiner Partei zu stehen.
Als Krah als EU-Abgeordneter für die AfD viel vom Porzellan zerschlug, das die europäische Rechte den AfD-Deutschen hingestellt hatte, schmiss er Brüssel hin und fand sofort den Weg über ein Direktmandat in den Bundestag. Und als die AfD-Fraktion erstmals zusammenkam, kam es intern nicht zum Aufstand gegen den Europa-Flüchtling.
Ebenfalls im Mittelpunkt des neuesten Krah-Dramas steht der neurechte Verleger Götz Kubitschek. Er ist über die Jahre mit vielen gut vernetzt und bekannt. Kubitschek versucht immer wieder, die unmöglichsten Schlichtungsakte zwischen den Fronten zu vollbringen. Aber selbst der als Verleger mit den Untiefen spezieller Charaktere notwendigerweise erfahrene Kubitschek, dem Krah einmal bescheinigte, dem Langhaus in Schnellroda alles zu verdanken, kann das Drama um Krah nicht zufriedenstellend unter Kontrolle bringen.
Und dann geht der Vorhang auf, und da erscheint die große unbekannte Schlossherrin, die erklärt, besagter Krah habe sich ihr einst als junger Galan angedient. Mathilde Huss ist Herrin über das Potsdamer Adlon. Das ist jener steinerne Salon-Treff in bester Lage, der von den Correctiv-Spionen belagert wurde, als diese dort ein Geheimtreffen enttarnt haben wollten, das nach seiner Veröffentlichung Demonstrationen Hunderttausender gegen Rechts auf die Straßen der Republik brachte. Später wurde bekannt, dass Correctiv im Vorfeld der Belagerung des Adlon Kontakte bis hoch in die Bundesregierung gepflegt hatte.
Mathilde Huss ist von Haus aus Wissenschaftlerin und hat sich unter anderem mit Vererbungslehre und anderen Themen beschäftigt, was ihr immer wieder giftige Schlagzeilen der Mainstreampresse bescherte. Frau Huss ist auch mit dem Youtuber Erik Ahrens bekannt, der wiederum aktuell dadurch auffällt, dass er jeden in seinem rechten Umfeld angreift und für Maximilian Krah dessen TikTok-Kampagnen mitentwickelt hat.
Soviel in wenigen knappen Szenen zur Vorgeschichte dieser fiktiven Netflix-Serie. Besagte Frau Huss hat nun heute eine bemerkenswerte Pressemitteilung mit dem Titel „Erklärung“ in Umlauf gebracht, die Maximilian Krah angreift und geeignet ist, diesem Shakespeare-Drama die typische finale Explosion zu verpassen.
Mathilde Huss überschreibt ihre Erklärung mit einer Frage Richtung Krah: „Ein echter, deutscher Mann?“ Krah hatte auf TikTok seinen jungen männlichen Zuschauern immer wieder erklärt, was einen solchen ausmache.
Berufliches vermischt sich schnell mit Privatem. Da ist die Rede von geplatzten Hochzeitsplänen ebenso wie von geplatzten Versprechungen zu Buchprojekten beim Antaios-Verlag von Kubitschek. Huss warnt Krah vor einem „weiteren Etikettenschwindel“, was ein neues Buchprojekt angeht.
Frau Huss nimmt auch Stellung zur sogenannten „Geheimkonferenz“ von Correctiv. Krah sei kein Teilnehmer gewesen, aber er habe anwesenden Gästen sein Buch schenken wollen. Persönlich?
Wir sprechen mit Herrn Krah, der Alexander-Wallasch.de gegenüber erklärt, Correctiv habe keine Bilder von ihm vom Treffen, das aber behauptet Frau Huss. Und Erik Ahrens habe solche vom Ausland aus veröffentlicht. Für Krah eine „Lügenkampagne“. Er sei am Abend des Treffens „in Lippstadt/Lippe bei einer AfD-Veranstaltung“ gewesen, also über 400 Kilometer entfernt. Nicht weit genug?
Gegen Erik Ahrens habe er wegen dessen Behauptungen bereits Strafanzeige gestellt. Das Problem sei nur, dass sich Ahrens aktuell nicht in Deutschland aufhalte, ergänzt Maximilian Krah. Er selbst sei von Kubitschek auch nie „geklostert“ oder „gelanghaust“ worden – „weder noch“, kommentiert Krah. Ahrens habe er zuletzt wohl im August 2024 gesehen.
Herr Krah will also beim Correctiv-Geheimtreffen gar nicht in Potsdam gewesen sein, sondern in Lippstadt. Demgegenüber erklärt Frau Huss:
„‚Correctiv‘ ist im Besitz von Bildern, die Herrn Krah am Tag der Konferenz im Eingangsbereich zeigen. Warum wird Herr Krah geschont?“
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Im weiteren Verlauf ihrer Erklärung äußert sich Frau Huss dazu, wie sie nach eigenem Bekunden privat zu Herrn Krah stand. Krah selbst möchte zu persönlichen Dingen, die ihn und Frau Huss betreffen, nicht öffentlich Stellung beziehen. Aber als Zitat gibt er frei:
„Ich bedauere, dass hier höchst private Angelegenheiten versucht werden, in die Öffentlichkeit zu zerren. Ich werde mich daran nicht beteiligen.“
Frau Huss ihrerseits hatte der Presse mitgeteilt, sie habe eine Beziehung zu Herrn Krah wegen mangelnder Loyalität und Zuverlässigkeit beendet“.
Krah sagt weiter, er habe zu keinem Zeitpunkt im Adlon gewohnt. Auch die Frage, ob er denn „Nachtgast“ gewesen sei, mag Krah gegenüber Alexander-Wallasch.de nicht beantworten; er äußere sich nicht zu „privaten Kisten“.
Also zusammengefasst:
Frau Huss erklärt, Herrn Krah bei seinem Buch geholfen zu haben, dieser habe dafür Versprechungen gemacht und sie nicht eingehalten. Frau Huss stellt Krah als eine Art Heiratsschwindler dar. Illoyal und unzuverlässig soll Krah zudem gewesen sein.
Krah streitet ab bzw. möchte sich nicht zu privaten Dingen äußern. Wohl aus Sorge, als Urheberin der massiven Angriffe von Erik Ahrens verstanden zu werden, erklärt Mathilde Huss zudem, dass sie diesen nicht zu seinem Tun angestiftet habe.
Maximilian Krah stellt Strafanzeige gegen Erik Ahrens. Mathilde Huss beschuldigt Krah indirekt auf eine Weise, mit Correctiv zusammengearbeitet zu haben, eine Organisation, die zuletzt von Hans-Georg Maaßen als eine Art inoffizieller Geheimdienst der Regierung dargestellt wurde. Huss fragt in Richtung Correctiv: „Warum wird Herr Krah geschont?“
Der aber erklärt, am fraglichen Tag gar nicht in der Nähe des Schlosses gewesen zu sein; die Bilder solle Ahrens womöglich gefälscht und damit wiederum Frau Huss überzeugt haben.
„Warum wird Herr Krah geschont?“ Was kann damit gemeint sein, was meint die – nach Selbstbekunden Ex-Verlobte – von Krah hier genau? Unterstellt sie dem Bundestagsabgeordneten gar, ein V-Mann von einer Art Correctiv-Geheimdienst zu sein?
Die AfD ist auf dem Sprung, die CDU zu überholen. Und dann kommt Maximilian Krah. Aber wer ist Krah? Hochintelligent bestimmt, gerissen ganz sicher, ein dandyhafter Spieler vielleicht, womöglich ein ungeschickter Beziehungszocker? Oder ist er nur der tollpatschige Bernhardiner, der immer wieder unabsichtlich ins Fettnäpfchen tritt?
Fakt ist, dass Mathilde Huss in ihrer Erklärung einen verletzten, traurigen Eindruck hinterlässt. Und auch so etwas kommt nicht von ungefähr. Aber woher dann?
Wie ernst muss man Maximilian Krah nehmen und wie ernst die Anwürfe gegen ihn als seltsame Mischung aus Beruflichem und Privatem? So wollen wir mit Shakespeare enden, wie wir begonnen haben: „Etwas ist faul im Staate Dänemark“. Der Rest ist Schweigen.
Maximilian Krah, AfD-Politiker und Skandalfigur, steht erneut im Fokus. Als EU-Abgeordneter zerstörte er viel Porzellan, wechselte dann via Direktmandat in den Bundestag, ohne internen Widerstand auszulösen. Götz Kubitschek, neurechter Verleger, scheitert trotz Erfahrung daran, Krahs Drama zu bändigen.
Mathilde Huss, Schlossherrin des Potsdamer Adlon, wo Correctiv ein Geheimtreffen enttarnte, attackiert Krah in einer Pressemitteilung. Sie wirft ihm gebrochene Versprechen, Illoyalität und Etikettenschwindel vor, stellt ihn als Heiratsschwindler dar und fragt: „Ein echter, deutscher Mann?“
Krah bestreitet, beim Treffen gewesen zu sein, nennt es eine Lügenkampagne und hat gegen Youtuber Erik Ahrens Strafanzeige erstattet. Huss behauptet, Correctiv habe Beweise, und fragt, warum Krah geschont wird. Persönliches und Berufliches vermischen sich: Huss beendete die Beziehung zu Krah 2024 wegen mangelnder Zuverlässigkeit. Krah schweigt zu Privatem, während Huss verletzt wirkt.
Ein Drama zwischen Wahrheit und Intrige – „Etwas ist faul im Staate Dänemark“.
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Kommentar von Eugen Karl
Eine private Schlammschlacht, wenig mehr. Keine Ahnung, was eine Frau gerade an diesem Typen reizt. Geld hat sie doch selber.
Eher sollte man einmal zu dem Europa-Abgeordneten recherchieren, da wird sich sicher etwas finden. Es ist ja sicher kein Zufall, daß die Kollegen nicht mit ihm zusammenarbeiten wollten. Zeit zur Selbstreflektion hat er sich jedenfalls nicht genommen, sondern gleich den Karriereweg zum Bundestag umgeleitet. Hoffentlich treten dort nun nicht dieselben Probleme auf wie in der EU-Fraktion. Bei diesem Hobby-Ethnologen kann man sich wohl nie ganz sicher sein.
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Kommentar von Carl Peter
Frau Huss ist ja auch Unternehmerin und es kann davon ausgegangen werden, dass sie über Schaden und Gewinn durch die dort stattfindenden Veranstaltungen vor und nach diesem eigentlich nicht öffentlichen Treffen, einen genauen Überblick hat.
Nach diesem Treffen sah ich ein Interview mit Frau Huss, in dem sie durch den unvermuteteten Wirbel fast den Laden dicht machen könne - schliesslich wäre das kein speziell auf neurechte Belange zugeschnittener Veranstaltungsort inklusive Übernachtungen.
Auf jeden Fall ist im Potsdamer Adlon keine branchentypische Diskretion mehr vorhanden und als Gast befindet man sich in ähnlich misslicher Lage, wie in einem Hotel, das öffentlich seine Neutralität opfert und bekannt gibt, keine AfDler gastgeberisch betreuen zu wollen - die Waage zwischen Gast und Gastgeber ist dann im Ungleichgewicht und die Ideologie geht vor einer willkommenen Bewirtung.
Für mich ein klarer Insolvenzgrund und der Grund dort niemals aufzutauchen.
Aber Neutralität ist zur Zeit ein Schimpfwort - ganze Länder und Wirtschaftsunternehmen sind betroffen, von groß bis klein.
Potsdam ist ja nun auch kein Davos mit den echten Schweinereien von weltpolitischen Dimensionen - Sex sells mit Huss und Krah hätte da ja auch nicht de erforderliche Gestaltungshöhe.
Trotzdem sag ich immer, ich will, dass das die von der AfD mal endlich machen, als diejenigen, die eine Verantwortung zu tragen, nur vorgeben und auch sonst nur noch Defizitäres hervorbringen.
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Kommentar von Bernhard Kopp von Brackel
Gesetzt den Fall die CDU/CSU würden mit einer nach Wählerstimmen und BT-Mandaten nahezu gleich großen AfD eine Koalition bilden. Welches Regierungsamt würde dann ein Maximilian Krah bekommen ? Und, wieviele weitere abstoßende Paradiesvögel würde die AfD, neben einigen vernünftigen Leuten, noch in Spitzenämter des Staates schieben wollen ? Woran scheitert die Koalitionsfähigkeit der AfD ?
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Kommentar von Ego Cogito
Wo „Corrective“ draufsteht, ist auch Dreck drin!
Die Dame ist wohl gedungen, denselben zu liefern.
Eine Verflossene blüht noch einmal auf – Sumpfblüten lieben den Sumpf.
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Kommentar von winfried Claus
Was sagen echte Männer dazu, wenn Weiber schwatzen oder nachtreten? Wenn Frauen sich wie Hexen verhalten oder wenn Verrat begehen? Deshalb junge Männer, die Alten sagen euch in dieser Frage selten die Wahrheit und das Maß der Täuschung erkennt ihr bei jeder Frau, in der Frage: Was und Wo und Wie ist ihr Falsch. Das fängt bei ausgestopften Brüsten schon an. Wählt nie die Oberfläche dann verbreitert sich eure Auswahl. Krah greift da einen sehr wichtigen politischen Punkt auf!
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Kommentar von Manfred Sonntag
Nach den ganzen Eskapaden des Herrn Krah wäre es das Beste für die AFD ihn bis auf weiteres kaltzustellen.